Sein und Tun

Gegenwärtig wird den Qualitäten des Tuns in der Regel eine große Priorität vor
denen des Seins eingeräumt. Im Zeitalter der Machbarkeit sind wir unentwegt
dabei etwas zu tun, etwas zu machen und vergessen darüber die Qualitäten des
Seins. Wir nehmen uns nicht die Zeit, uns - in Ruhe - Sein zu lassen. Selbst im
Urlaub produzieren wir „Freizeitstress.“ Wir hetzen von einer Aktivität zur nächsten
und erlauben uns nicht einfach nur zu sein. So wie der legendäre Knollennasen-
Ehemann in Loriots Sketch, der „einfach nur hier sitzen“ will und von seiner Frau
genötigt wird, doch endlich etwas zu machen, verlieren wir am Ende die Nerven.
Daher ist es - wenn Sie zu größerer Lebenszufriedenheit finden wollen - unerläss-
lich, sich ausreichend Raum zum Sein zu gönnen.


Folgende Anekdote illustriert humorvoll den Unterschied zwischen Sein und
Tun:



Die Geschichte vom Fischer und vom Millionär

Es begab sich, dass ein sehr reicher Mann Urlaub auf einer wunderschönen
Südseeinsel machte. An einem strahlend schönen Tag schlenderte er über
die Insel und genoss das Leben. Er hörte die Geräusche der Tiere und des
Meeres, das Zirpen der Grillen, das Zwitschern der bunten Vögel und das
Rauschen des Meeres. Während er über den sandigen Untergrund des
Strandes scheinbar glückselig dahinschwebte und über die Weiten des Meeres
blickte, entdeckte er einen Fischer der zufrieden in der Sonne lag und den
Tag genoss.
Hallo Fischer, begrüßte ihn der Millionär. Was machst du hier? Ich liege in der
Sonne und genieße den Tag. Weißt du, ich habe gestern so viele Fische
gefangen, dass ich heute faul in der Sonne liegen kann, antwortete der Fischer.
Aber, sagte der Millionär, ich verstehe nicht! Wenn du heute ausgefahren wärest,
dann könntest du noch viel mehr Fische fangen und eine Menge Geld verdienen.
Und was habe ich davon, fragte der Fischer. Na ja, meinte der Millionär.
Mit dem Geld könnest du dir ein größeres Boot kaufen und noch mehr Fische
fangen und noch mehr Geld verdienen! Und was habe ich davon, fragte der
Fischer erneut. Mit dem vielen Geld, das du dann verdienst könntest du eine
Fischfabrik aufbauen und dann bist du reich!!! Ja und was mach ich dann mit
dem vielen Geld, fragte der Fischer. Na, ja dann könntest du Urlaub machen
auf einer wunderschönen Insel, das Leben genießen und in der Sonne liegen,
antwortete der Millionär. Woraufhin der Fischer verschmitzt lächelte und meinte:
Ja was glaubst du denn, was ich gerade tue?!




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